Was mich sonst noch so antreibt …

Ultimatives Ziel schön und gut. Aber das alleine ist es natürlich nicht, was mich motiviert,

meinen im Jahr 2000 angefutterten Schutzpanzer, wieder abzulegen.

 

Einer guten Freundin habe ich mal gesagt: Das mit der inneren Motivation funktioniert über sich klar

werden, was man für sich selber möchte bzw. nicht mehr möchte. Und in welcher Zeitspanne man

dies erreichen möchte.

 

Ich habe so viele Sachen die ich für mich nicht mehr möchte bzw. wieder zurück haben will, dass ich

mich echt frage, wie es einige Menschen tatsächlich noch schaffen sich das fett sein schön zu reden.

Fangen wir doch gleich mal mit dem Aussehen an:

 

Mein Spiegelbild soll wieder mich zeigen.

 

Ich hatte mal Grübchen und einen Hals, die will ich wieder haben.

Im Moment sind da nur Pausbäckchen und Kinn … mehrere.

 

Meine Winkeärmchen sollen, bitte, bitte, aufhören zu versuchen meine Ellenbogen zu fressen.

 

Ich will diesen entsetzlichen Bauch und diese mittlerweile monströse Oberweite nicht mehr vor mir

her tragen müssen. Jedes verdammte Kilo mehr hat mir jeweils 1cm mehr Bauch und 1cm mehr

Oberweite beschert!!!! Und ich fand meine Oberweite mit 16 schon zu groß.

Sonderlich sexy ist eine Fettschürze auch nicht gerade.

 

Mit 20 hatte ich 90,67, 89. Ja, darüber gibt es Aufzeichnungen, nämlich in meinem Buch „Nähen

leicht gemacht“ von Burda, dass ich in der Zeit gekauft habe.

Derzeit bin ich bei 144, 135.5, 135.5. Eine Tonne auf zwei schmerzenden Füssen, Knie und Hüften.

 

Ich will mich, verdammt nochmal, einfach nicht mehr erschrecken und fragen „wer ist das“ wenn ich

durch Zufall, auf dem Bett sitzend, in den Spiegel gucke.

 

Ich möchte wieder ich sein, da im Spiegel …

 

Aussehen ist aber natürlich nicht alles, da wären die vielen kleinen und großen Unannehmlichkeiten,

die das Leben als fette Frau so bietet:

 

Ich will nicht mehr so viel Platz einnehmen …

 

Wo andere (normalgewichtige) eine HandBREIT Platz haben, ist im Auto bei mir, gerade mal eine

HandHOCH Platz zwischen Bauch und Lenkrad. Ja, ich weiß, meine kurzen Beine sind da auch nicht

gerade hilfreich, aber trotzdem! Wie soll mir ein Airbag da das Leben retten?

 

Im Flugzeug muss ich im Mittelgang sitzen damit wenigstens einer meiner Arme Platz hat. Mein Essen

auf einer Hand balancieren weil der verdammte Tisch es sich im 45 Grad-Winkel bequem auf meinem

Bauch bequem macht.

 

Fahrgeschäfte? Ich musste während unseres Urlaubs in Schottland wieder aussteigen, weil es partout

nicht möglich war den Sicherheitsbügel zum einrasten zu bringen ohne meine inneren Organe

ernsthaft zu schädigen.

 

By the way: wir haben zwei Katzen, eine davon sitzt gerne auf dem Schoß.

Nur ist es nicht meiner, nie. Weil, dieser Katze die 10cm Platz die übrig sind wenn ich sitze, zu wenig

sind.

 

Essen … abgesehen davon, dass ich das offensichtlich zu viel und zu oft machen, ist es bei mir auch

noch so eine unappetitliche Angelegenheit. Bei normalgewichtigen landet beim Kleckern das Essen

auf dem Tisch, wahlweise auf die Hose. Nicht so bei mir. Bei mir landet beim Kleckern, immer und

ohne Ausnahme, alles auf und in mein Dekolleté. Da wo jeder es sehen kann.

Mein Essen kann ich übrigens auch nur vollständig sehen, wenn ich es auf Armlänge halte.

 

Wegen der verdammten Oberweite kann ich noch nicht mal golfen oder Bogenschießen, weil ich

ständig dran hängen bleibe (ja, ich habe es ausprobiert).

 

Ich würde mich auch sehr freuen, wenn ich nicht jedes mal  beim Aufstehen alles vom Couchtisch

fegen würde mit meinem Hintern. Würde mir das Bücken ersparen.

 

Bücken … auch so eine Sache.

Da kommt mir, zum Beispiel, gerne mal das Essen bei hoch. Geht auch nur, wenn ich mich irgendwo

festhalte. Ihr wisst schon, ungünstiger Schwerpunkt und so.

Sieht übrigens fürchterlich elegant aus, wenn ich die Knie leicht zur Seite beuge, um das was auf den

Boden liegt überhaupt erreichen zu können.

 

Klamotten kann ich grundsätzlich nur in teuren Spezialgeschäften kaufen. Das gilt auch für Schuhe

und sonstige Sachen. Hosen müssen auch grundsätzlich Gummibund haben.

Mit 20 habe ich die Größe 34/36 getragen,

jetzt trage ich Hosen in 48 /50 und Oberteile in Größe 54/56.

Und keine Gummistiefel. Da stecke ich nämlich schon beim anprobieren im Kragen fest.

Gut, Gummistiefel sind nicht wirklich kleidsam. Für dicke Frauen schon mal gar nicht.

Aber, wer schon mal bei Rock am Ring war, weiß sie wirklich zu schätzen.

 

Und dann wäre ja noch das mit der Gesundheit …

 

Meine Blutwerte sind alles andere als im Normbereich.

Entzündungswerte, Harnsäure, Cholesterin, alles erhöht. Ich erfreue mich einer gut gepolsterten

Fettleber und mein Blutdruck halte ich nur noch mit Tabletten in Schach.

Ich leide an Schlafapnoe und bin, jede Nacht, deswegen spätestens um 4 wach.

Oder wegen der  Rückenschmerzen, mit denen ich grundsätzlich morgens aufwache weil das Gewicht

meines Bauches auf meine Wirbelsäule drückt.

Ich kann auch nur auf der rechten Seite schlafen, seit Jahren, weil mein Bauch, mit seinem ganzen

Gewicht, meinen Mageninhalt auf Wanderschaft schickt und ich das Gefühl bekomme zu ersticken.

 

Mein Leben soll endlich wieder mir gehören …

 

Ich möchte Konzerte genießen können … im Stehen und im ganzen … statt nach spätesten 10

Minuten panisch nach einen Sitzplatz suchen zu müssen, weil ich die Schmerzen in den Füssen nicht

mehr ertrage.

 

Ich möchte beim Kauf eines neuen Sofas oder eines Campingstuhls nicht mehr auf das max. zulässige

Gewicht achten müssen. Ich möchte natürlich auch nicht mehr, dass Campingstühle oder Rattan-

Sessel unter meinem Gewicht zusammenbrechen … Ich kann zwar gut über mich lachen, aber das ist

einfach zu demütigend …

Wobei der Morgen als ich beim Duschen in der Wanne ausgerutscht bin und, eine halbe Stunde lang,

verzweifelt versucht habe da wieder rauszukommen an Demütigung kaum zu toppen ist …

 

Ich möchte mich elegant auf eine Wiese setzen können statt mich nur plumpsen zu  lassen.

Und ich möchte alleine von dieser Wiese wieder aufstehen können.

 

Auch diese anstrengenden Verrenkungen bei der Hygiene oder beim Anziehen braucht wirklich kein

Mensch.

 

Last but not least: Ich möchte Sex wieder so genießen können wie früher.

Weil ich wieder gelenkiger bin,

weil ich wieder fitter bin,

weil ich mich wieder sexy und attraktiv fühle.

 

Die Kirsche auf der Sahnetorte …

 

… wäre wenn ich nicht nur fit genug bin, um wieder ein normales Leben führen zu können, sondern

tatsächlich meinen alten Traum realisieren könnte: einen Triathlon Langdistanz in Köln finishen, und

zwar nicht als letzte!

Das bedeutet in Punkto Geschwindigkeit:  Minimum

2,3 km/h zu schwimmen,  30 km/h Fahrrad fahren und 7 km/h zu laufen zu können …

und zwar länger als 15 Sekunden …

wesentlich länger …

 

Derzeit muss ich nach 10 Bahnen Kraulen aufhören, weil ich da schon das halbe Schwimmbad

verschluckt habe und ich mich anhöre wie ein gestrandetes Walross … die Bahnen sind übrigens

gerade mal 18m lang in meinem Fittnessstudio … nach der Zeit dafür braucht ihr mich gar nicht erst

zu fragen.

 

Fahrrad fahren geht auch nur bedingt, weil mir nach 10 Minuten schon der Hintern weh tut und

Hände und Füße einschlafen. Es ist aber auch kein Rennrad (ich sag nur Sattel) sondern ein

verrostetes Hollandrad. Immerhin schaffe ich, mit Zähne zusammenbeißen, in einer Stunde 17

Kilometer. Zumindest war das 2009 noch so …

 

Laufen – guter Witz.

Bin froh, dass ich gehen kann … allerdings gehe ich derzeit noch nicht mal 5000 Schritte am Tag.

Ich gehöre übrigens zur Fraktion: „ich kann auch die nächste Bahn nehmen“.

 

Ach wer braucht schon Kirschen auf seiner Torte …

war wohl gerade ein Paradebeispiel für „Realitätscheck“ …

 

Wie auch immer …

 

Ich könnte diese Liste noch stundenlang weiterführen.

Dies alles sind meine Ziele, meine Motivation …

Und ich muss diesmal dranbleiben, weil ich es nicht mehr aufschieben kann.

Denn zum 20. Hochzeitstag, mit fast 60, wird das alles obsolet sein…

Weil ich dann vielleicht nichts mehr von meinem Leben habe.

Weil ich bis dahin wahrscheinlich schon längst einen Herzinfarkt, Schlaganfall oder Diabetes gehabt

haben werde.

Weil bis dahin meine Arthrose (die zur Zeit zum Glück nur sehr moderat ist), meine Knie ruiniert hat.

Weil ich bis dahin vielleicht schon anfange dement zu sein.

Weil ich bis dahin vielleicht auch meinen Mann verloren habe, weil auch Engelsgeduld endlich ist …

 

Klar kommt erschwerend hinzu, dass bei mir die Wechseljahre anbrechen und dass ich am 11.10.18

mit dem Rauchen aufgehört habe, was mir zusätzliche 5 kg beschert hat. Aber das macht es nicht

unmöglich. Weiter aufschieben oder gar aufgeben ist jedenfalls keine Option.

Ich will jetzt leben!

 

Mein Leben soll, verdammt noch mal, wieder mir gehören!

 

In jeglicher Hinsicht …

 

Eure etwas niedergeschlagene aber nicht resignierende Red …

2 Kommentare

    1. Ja, Du hast Recht.
      Ich muss meinen Hang zum Perfektionismus immer wieder ausbremsen und mich auf kleinere Schritte konzentrieren …
      Danke fürs Mut machen!

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