Ein Workshop und seine Folgen

Hallo Ihr Lieben,

Die letzten drei Wochen ist es hier ein wenig still gewesen. Warum ist gar nicht so einfach zu erklären. Alleine, weil ich selber ganz schön viel Zeit gebraucht habe, überhaupt dahinter zu kommen. Mir ging es prima, ich war voller Motivation und dann war alles wie weggeblasen. Ich habe mich irgendwie im Stich gelassen gefühlt, war ziemlich resigniert und mutlos,  aber auch enttäuscht und irgendwie wütend ohne richtig sagen zu können warum.

Auslöser ist letztendlich, über Umwege, der Workshop von Bastienne Neumann „Ernährungspsychologie leicht gemacht“ den ich am 24.03. besucht habe oder besser gesagt: meine große Erwartung und Hoffnung an eben diesen Workshop.

Was hatte Sie versprochen? (Auszug von ihrer Seite)

VERSTEHEN: Weshalb greifst du eigentlich zum Essen ohne Hungrig zu sein? Wie beeinflusst die Psyche dein Ernährungsverhalten und weshalb ist es dir bisher noch nicht gelungen, erfolgreich abzunehmen? Lerne es dein eigenes Ernährungsverhalten zu verstehen.

STRATEGIEN: „Mit Hilfe von Übungen wirst du deine eigenen Auslösereize heraus arbeiten, die dich immer wieder zum Essen verleiten und gemeinsam mit meiner Hilfe Lösungsstrategien entwickelt, die das Problem an der Wurzel lösen und somit nachhaltige Erfolge bringen.“

AUSTAUSCH: Die Erkenntnis mit den eigenen Ernährungsproblemen nicht alleine zu sein, kann bereits Berge versetzen. Der Workshop bietet dir Raum dich mit Gleichgesinnten auszutauschen und von den Erfahrungen und Geschichten der anderen Teilnehmer zu Profitieren. Und vielleicht entstehen ja sogar Freundschaften, die über den Workshop hinaus bestehen bleiben.

Was habe ich gelesen?

Perfekt: ich werde da neue Freundinnen finden. Wir werden eine Gruppe gründen die sich gegenseitig über den Workshop hinaus in Zukunft unterstützt. Endlich nicht mehr alleine. Ich werde auch endlich die fehlende Bedienungsanleitung für mich selber bekommen,  eine „wenn – dann“ Checkliste die ich ab dann nur noch zu befolgen brauche und alles wird gut – das wird mich für immer in der Spur halten.

Klingt großartig oder?

Aber nein, das Verspricht Bastienne eben nicht. Es ist das, was ich zwischen den Zeilen gelesen habe. Das was ich versprochen haben wollte. Hätte ich meine übersprudelnde Fantasie vor Beginn der Veranstaltung einem Realitätscheck unterzogen, wären mir die darauf folgenden drei Wochen Frust, Resignation und Stagnation erspart geblieben.

Ein Workshop ist nämlich keine Therapie, noch nicht mal persönliches Coaching. Und nur weil man ähnliche Probleme hat, heißt es noch lange nicht, dass man auch Freundinnen werden kann. So ein Workshop besteht aus  8 grundverschiedenen Teilnehmern und dauert inkl. aller Pausen insgesamt lediglich 7 Stunden.

So eine Veranstaltung KANN nur an der Oberfläche kratzen und definitiv nicht, für alle individuelle Lösungen finden, sondern nur Impulse zur Selbsthilfe bieten. Darüber hinaus bietet es die Möglichkeit sich kennenzulernen. That‘ it.

Und das ein Workshop von 10 bis 17 Uhr geht, heißt noch lange nicht, dass er auch sieben Stunden dauert …

Der Ablauf

Ich war zwar sehr früh aufgestanden, habe aber so lange getrödelt, dass ich mich wie immer viel zu spät auf den Weg gemacht habe . Meinen Apfel-Avocado-Quark konnte  ich trotzdem erst unterwegs frühstücken. Wie immer habe ich mich natürlich auch noch verlaufen und bin erst zwei Minuten vor Beginn abgehetzt dort angekommen. Aber hey, ich war nicht die Letzte :-). Nachdem ich vor lauter Nervosität und Hektik erst mal gefährlich über meine eigene Füße gestolpert bin, wurde ich wahnsinnig lieb und herzlich von allen begrüßt. Atmosphäre: top!

Auf dem Tisch standen Gemüseschnipsel, Nüsse und stilles Wasser. Auch top – auch wenn ich mich nur an Wasser gehalten habe den ganzen Tag.

Die erste Stunde haben wir uns gegenseitig vorgestellt. Jeder hat ein wenig über sich erzählt, zusammengefasst wie es zu dem Übergewicht gekommen ist und/oder wo jeder sein eigenes größtes Problem gesehen hat. Einen praktischen Nutzen hatte das nicht wirklich. Man kam sich aber ein klein bisschen weniger alleine vor, mit seinem gestörten Verhalten, und es hat die Atmosphäre gelockert. Jedenfalls war es interessant zu merken, dass man doch die eine oder andere Gemeinsamkeit hat und vielleicht doch kein so großer Freak ist …

Mich persönlich hat es überaschenderweise leider ziemlich aufgewühlt die Vergangenheit in Worte zu fassen. Auch wenn ich nur oberflächlich angerissen habe, was bei mir zu dem massiven Obergewicht geführt hat, hatte ich Mühe die Tränen zurückzuhalten. Dreck. Das kann doch einfach nicht wahr sein! Wann hört das endlich mal auf? Das ist der Punkt, wo ich mich dann sehr alleine gelassen gefühlt habe, denn darauf wurde den Rest des Tages nicht wieder eingegangen. Wunde aufgerissen und noch nicht mal ein Pflaster bekommen …

Es folgten ca. zwei ein halb Stunden Theorie, mit ein paar Übungen. Der Theorieteil war echt gut. Klar kannte man die meisten Sachen aus Blog und Podcast, aber hier war der rote Faden der bis dahin gefehlt hatte. Alles wurde etwas kompakter auf den Punkt gebracht.

Die Übungen waren auch passend, aber gleichzeitig auch die nächste Enttäuschung. Die Übungen sollte nämlich jeder nur für sich alleine machen. Es war nicht vorgesehen diese gemeinsam zu besprechen. Nachdem ich bei der Vorstellungsrunde bereits meine Hoffnung Mitstreiterinnen zu finden begraben musste (alle waren zwischen 12 und 29 Jahre jünger wie ich und die meisten kamen noch nicht mal aus Köln), war das die zweite große Enttäuschung. Gerade aus den Strategien der anderen hatte ich gehofft die eine oder andere Inspiration zur Lösung meiner eigenen Probleme zu bekommen. Gemeinsam erarbeiten? War dann wohl nix.

Die Mittagspause dehnte sich dann auf sagenhafte zwei Stunden aus, weil ein paar Teilnehmerinnen unbedingt in ein Lokal wollten, dass in über 20 Minuten Fußmarsch Entfernung lag. Na ja, Bastienne meinte sie hätte am Vorabend höchstens 15 Minuten für die Strecke gebraucht, aber sie läuft auch regelmäßig Halbmarathons. Am Vorabend war Sie auch nicht von einer Horde quasselnder, übergewichtiger Frauen begleitet worden …  mit meinen kurzen Beinen war ich übrigens nur noch am rennen und hecheln und natürlich Schlußlicht :-(.

Wieder zurück, musste erst mal gewartet werden, bis jeder die Keramikabteilung besucht hat. Da dies nur nacheinander ging und wir alles Frauen waren, dauerte das entsprechend. In der Zwischenzeit wurden Bücher verkauft und signiert. Hätte mich übrigens echt über eine wirklich persönliche Widmung gefreut – Zeit genug wäre dafür da gewesen. Nur diesen scheinbar in jedem signierten Buch auftauchende belanglosen Satz zu bekommen hat mich irgendwie ein wenig verletzt.

Endlich saßen dann alle irgendwann wieder und es konnte für ein Stündchen weiter gehen. Die Luft und Konzentration war bei mir da allerdings bereits endgültig raus und hinüber.

Klar haben wir wegen der langen Mittagspause am Ende noch  eine halbe Stunde dran gehangen. Leider ging diese in Gänze  für Selfies und „wie fandet ihr es“ drauf.

Fazit

Wir haben im Endeffekt ca. 3,5 Stunden Theorie mit Übungen bekommen. Beides gut, keine Frage.  Ich nehme tatsächlich den ein oder anderen Impuls mit. Der Workshop war letztendlich ein Konzentrat aus Blog/Podcast/Buch mit der Möglichkeit andere Betroffene kennenzulernen und hat im dem Sinne gehalten, was man objektiv von so einem kurzen Tag erhoffen konnte.

Das es nicht das war, was ich mir erhofft hatte, liegt zum größten Teil an meinen überzogenen Erwartungen. Das was ich wollte, kann mir kein Workshop bieten. Da bräuchte es schon ein mehrtägiges Seminar, ein individuelles längeres Coaching, eine Kur, eine Therapie oder ähnliches.

Würde ich nochmal an so einen Workshop teilnehmen? Kann ich noch nicht sagen. Die Impulse die ich bekommen habe, müssen erst mal Früchte tragen bevor ich da zu einem endgültigen Ergebnis komme.

War es das Geld wert? Noch so eine Schwierige Frage. Für den Preis hätte ich 3 Stunden Individual-Coaching bekommen. Ohne aber zu wissen mit wem bzw. wie Kompetent derjenige Antworten auf meine Fragen und Probleme mit mir erarbeiten kann. Letztendlich würde ich sagen: Ja, es war das Geld wert, mehr aber auch nicht.

Meine Erkenntnis des Jahres ist jedenfalls: Hoffnungen immer vorher einem Realitätscheck unterziehen. Das vermeidet Enttäuschungen, hilft nicht völlig aus der Bahn geworfen zu werden und man kann viel eher genießen, was man tatsächlich bekommt.

Ich hätte mir jedenfalls drei Wochen Stagnation erspart.  

Das Ganze hat aber auch positives, denn es hat mich daran erinnert, dass ich für einen Teil meiner Probleme bereits eine Gebrauchsanweisung bekomme habe vor vielen Jahren. Stichwort: Realitätscheck & Gefühlsanalyse. Hab ich natürlich verdrängt. Ist ja auch anstrengend … aber es ist das einzige was auf lange Sicht hilft! Ich muss mich damit abfinden, dass sich erst etwas ändern wird, wenn ich mich aus meiner Komfortzone raus bewege. Ihr dürft mir da gerne in den Hintern treten ;-).

Ein ganz lieben Dank an dieser Stelle an eine ganz ganz liebe Freundin, die mir gestern mit dem einfachen Satz „ich vermisse dich“ wahnsinnig gut getan hat und wieder wachgerüttelt hat. Freue mich dich in absehbarer Zeit wieder in echt drücken zu können :-). Du hast mich daran erinnert, dass ich bereits Freundinnen und Mitstreiterinnen habe. Auch wenn uns viele Kilometer trennen, ihr seid immer da und steht mir zur Seite wenn ich euch brauche! Danke dafür!

Wünsche allen noch eine erfolgreiche Woche

Eure red

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