Frohes Neues Jahr, Ihr Lieben!

Ich hoffe ihr seid besser reingekommen wie ich. Den Silvesterabend habe ich nämlich in der Notaufnahme verbracht. Wer war schuld? Mein Gewicht. Kaum waren wir bei der Veranstaltung wo wir den Abend verbringen wollten angekommen, bin ich die Stufen zum Wintergarten hoch um dann, auf eine 3cm hohe Kabelabdeckung,  aus dem Gleichgewicht zu geraten. Das rechte Bein ist durchgestreckt hart auf dem Fuß gelandet, der ganze Körper dann nach vorne gekippt und mit der ganzen Wucht die 125 kg mit sich bringen, aufs linke Knie geknallt. Mein Gesicht konnte ich 5mm vom Boden entfernt gerade noch abfangen.

Mein Mann ist erst mal einfach weiter gegangen. Er hat mein Fehlen an seiner Seite erst bemerkt, als die Leute an ihm vorbei zu mir gerannt sind und er geschaut hat was da denn los sei. Zu dem Zeitpunkt war ich auch noch still muss ich sagen. Still und völlig fassungslos.

Nach einer kurzen Weile wurde ich wieder auf die Füße gestellt und bin dann auch sofort ein paar Schritte gegangen. Einerseits hatte  ich Angst, das Knie könnte sonst steif werden. Andererseits wollte ich nachfühlen ob es mehr als nur eine Prellung ist. Außerdem, und das war das wichtigste, wollte ich schnellstmöglich weg von all den Leuten die das Debakel mit angesehen haben und sich wahrscheinlich kaputtgelacht haben über die dämliche dicke Frau.

Nach einigen Suchen, haben wir dann in einem anderen Bereich draußen noch einen Sitzplatz ergattern können. Im inneren Bereich hatte keiner den Anstand Platz für mich zu machen. Endlich angekommen habe ich dann die Tränen laufen lassen, leise. Diese demütigende Situation war nur sehr schwer zu ertragen. Ich wollte nur noch nach Hause … so dämlich zu fallen (da war er wieder der ungünstige Schwerpunkt den ich noch zu gut aus meiner Badewanne kannte) und dann 4 Personen zu benötigen um wieder hoch zu kommen.

Verdammtes Übergewicht …

Leider sollte es natürlich noch schlimmer kommen …

Wenn ich meinem Mann schon den Abend ruiniere, dann richtig.

Nach einer weiteren halben Stunde war das Knie nämlich so angeschwollen, dass es stellenweise taub war. Und natürlich komplett steif. Es hat gebrannt wie Feuer und so wehgetan, dass ich nur noch geheult habe, diesmal allerdings hauptsächlich wegen dem körperlichen Schmerz.

Der Entschluss stand fest: ich muss ins Krankenhaus. Nur wie? Wir rufen ein Taxi! Nur kam ich erst gar nicht bis zum Taxistand. Ich bin zwar tapfer aufgestanden, nach nur drei Schritten aber bereits hilflos in den Armen meines Mannes zusammengebrochen (staaarker Mann). Ich konnte weder vor noch zurück. Schließlich wurde mir ein Stuhl hingeschoben auf dem ich mich aber erst nicht getraut habe. Ich hatte fürchterliche Angst wieder das Gleichgewicht zu verlieren mit dem steifen Bein und dann neben dem Stuhl zu landen …

Irgendwann saß ich dann doch. Ein heulender Fettkloß wie auf dem Präsentierteller. Umringt von besorgten Leuten und einem wirklich netten Rettungssanitäter der dann schließlich einen Rettungswagen gerufen hat.

Ich war der Star des Abends 🙁

Und wie immer, wenn mir mein Übergewicht extrem peinlich ist, habe ich mich dann selbst kräftig auf die Schippe genommen. Beispiel gefällig? Als der eine Sani dem anderen sagte: „hol die Trage“ meinte ich trocken „ich hoffe die hat Rollen, ihr beiden kriegt mich nämlich nicht getragen“. Lach über dich selber, bevor es andere tun …

Ich kann euch eins sagen: die Zeitspanne zwischen heulend aufschreien und auf der Trage über das ganze Geländer weggerollt werden, von allen angestarrt wie eine verunglückte Hochzeitstorte, war eine der längsten meines Lebens. Und einer der peinlichsten. Demütigend hoch zehn.

In der Notaufnahme habe ich dann meine Gefühle endgültig abgeschaltet. Beim Röntgen versuchte mich die Frau in die richtige Position zu ziehen – ich war ihr nicht schnell genug – da hörte ich nur noch kraaak. Die Hose darf ich jetzt nähen. Bei der Wiederholung der nächstens Aufnahme (die erste war missglückt) riss sie mir dann den Bleischutz weg mit den Worten „sie wollen ja bestimmt keine Kinder mehr“ … Yo, ich bin 51 und die Aussage stimmt. Aber trotzdem hänge ich an meinem Leben und möchte doch so viele meiner Organe wie möglich vor den Strahlen schützen! Da bräuchte man ja einen Ganzkörperschutz kam es flapsig zurück. Ich hatte einfach nicht mehr die Kraft zu kämpfen … ich hoffe ich bereue das nicht eines Tages … Mir hat das jedenfalls den Rest gegeben. Innerlich war ich ziemlich ausgestorben für den Rest des Abends.

Das Feuerwerk fing in dem Moment an, als das Taxi uns vor der Haustür abgesetzt hat … welch ein Timing … der einzige Trost war: wir konnten den völlig verängstigten Mietzen dabei helfen das stundenlange geböller zu ertragen ohne durchzudrehen.

Aktuell kann ich das rechte Bein nicht richtig durchstrecken und das linke nicht beugen. Ergibt einen ziemlich lustig anzuschauenden Gang. Auto fahren ist auch vorerst nicht, weil: Kupplung und Gas mit jeweils einem gestreckten und einen gebeugten Bein ist anatomisch schwierig auf so engem Raum, und von der Rückbank aus ist es verboten.  Arbeiten und Sport fällt damit auch eine Weile lang flach …

Mein Ego wartet nun geduldig darauf wieder aufpoliert zu werden …

In diesem Sinne:

FROHES NEUES JAHR

Es kann nur besser werden.

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